Schattenseiten

 

27.11.2008

 

Übersetzt bedeutet das Schild neben diesem abgemagerten Hund folgendes:

 

Ich bin ein Streunerhund In Griechenland.

Ich habe kein Recht auf:

- medizinische Betreuung

- Wasser und Futter in der Öffentlichkeit

- Adoption im Ausland und als Mitglied einer Familie zu leben

Ich habe das Recht:

- in Griechenlands Strassen zu sterben

- in Griechenland vergiftet zu werden

- mich bis zum Tode zu quälen, festgebunden an einer Kette

Ich danke Herr Kiltidis ( Agrarminister) dass Du mich beschützt und mir diese Rechte einräumst

 

Mit freundlicher Genehmigung von ANIMAL-SOS

 

Bericht von Jennifer Crass vom 11.11.2008

 

Liebe Tierfreunde,

 

ich stecke nun mein 5. Jahr im Tierschutz, aber gerade heute fühle ich mich mal wieder besonders down. Tierschutz war schon immer ein hoch und tief, ein abwägen zwischen Sinn und Unsinn, aber was mir momentan am meisten zu schaffen macht, ist die Ignoranz von großen Teilen der Menschheit. Wie oft höre ich, was gehen mich Tiere an, und die Ausland schon mal dreimal nichts, unsere Tierheime sitzen voll. Wenn ich dies höre, wünschte ich, ich hätte die finanziellen Möglichkeiten diese Menschen mal mit nach Kreta zu nehmen, damit sie es mit eigenen Augen sehen. Wobei es fraglich ist, ob es ihnen nicht an ihrem allerwertesten vorbei gehen würde.

 

Wissen Sie, was ich den ganzen Tag mache? Nun es ist schnell erzählt. Ich stehe auf, mache meine Tiere und die Pflegehunde, entsorge Hundehaufen, putze die Wohnung, fahre Arbeiten, komme nach Hause und fange direkt wieder an mit putzen, ohne Pause geht es mit einem Teil der  Hunde zum spazieren aufs Feld, dann weiter an den PC – Emails beantworten, Anfragen bearbeiten, Homepage aktualisieren, evtl. Flugpaten abarbeiten, Vorkontrollen organisieren, Hunde in div. Portalen inserieren, hole Hunde vom Flughafen ab, fahre zum Tierarzt, Futtergeschäft etc. Bis ich im Bett liege ist Mitternacht meist schon vorbei und selbst da ist natürlich nicht sofort an schlafen zu denken, so sehr ist man aufgewühlt und macht sich Gedanken, was man besser oder anders machen könnte…

 

Nicht das Sie mich falsch verstehen, ich möchte nicht bemitleidet werden oder sonstiges, ich sehe im Tierschutz eine Art Berufung und mache es auch gerne, aber es gibt Tage – wie diesen – da frage ich mich, wofür das ganze?!?

 

Zu dem eh schon schwierigen Alltag kommen dann noch die unmöglichsten Faktoren. Ich habe es satt uns immer rechtfertigen zu müssen, ob es sei, warum wir Hunde aus dem Ausland einschleppen, Interessenten ablehnen, eine Schutzgebühr für die Hunde verlangen, ich darauf bestehe, dass die Hunde kastriert werden, ich nichts davon halte, zu einem Säugling oder mehreren Kleinkindern einen Hund aufzunehmen etc.

 

Warum verschenken wir die Hunde nicht einfach, egal wohin? Weil uns das Wohl der Hunde am Herzen liegt und Tierschutz eine Menge Geld verschlingt. Hier nun mal ein Beispiel, letztes Jahr durften wir bei TUI z. B. 2 Hunde in einer Box nach Deutschland schicken, dieses Jahr braucht jeder Hund eine Box. Alleine hieraus tragen wir eine Mehrbelastung von ca. 50 Euro (je nach Größe gehen 30-50 Euro für den Boxenrücktransport drauf, zudem brauchen wir jetzt natürlich erheblich mehr Boxen)

 

Ich kenne die Situation auf Kreta sehr gut, war ich ja schon oftmals da, selbstredend auf eigene Kosten. Zuletzt war ich Ende September dort, samt meinem Freund. Er fragte auch vorab, ob wir denn dort Urlaub machen, worauf ich nur sagte, sowohl als auch. Eigentlich sollte es ein gutes Mittelding zwischen Tierschutz und Urlaub werden. Im Endeffekt war es so, dass der gnädige Herr nicht einmal das Meer gesehen hat, primär sogar nur den Weg vom Hotel zum Tierheim, zu Verena, zum Tierarzt oder „Hunde gucken“, nein stimmt nicht ganz, einen Tag hatte er – alleine – frei und blieb im Hotel.

 

Von meinen verschiedensten Kretaaufenthalten möchte ich Ihnen ein paar “tolle“ Impressionen vorstellen

 

Anfang 2008 – Dieser wunderschöne Schäferhundmix war an der Schnellstraße angekettet – für ihn gilt Entwarnung, er ist zwischenzeitlich sehr gut auf Kreta vermittelt

 

Dieser Hund sitzt mitten in Heraklion vor einem Supermarkt und hofft etwas essbares zu bekommen

 

 

In der historischen Innenstadt von Heraklion sieht es von der Population her nicht besser aus, der einzige Vorteil, dort bekommen die Tiere ausreichend Nahrung

 

 

 

 

Diese arme Socke gehört einem Metzger aus Agia Pelagia, er liegt angekettet auf dessen Außenlager ohne Hütte, ohne Unterschlupf, egal ob Winter oder Sommer. Er ist schon sehr alt, man kann nur hoffen, dass er es bald geschafft hat und seine Kette nicht durch einen neuen Hund geschmückt wird…

 

Eindrücke vom Flughafen – hier kommen täglich tausende Urlauber an und die wenigsten stören sich an diesem Anblick, man hört Aussagen wie „Das ist im Süden halt so, kann man nichts machen“, doch diese Leute können etwas, sie können die Augen zu machen – Da ist sie wieder, die Ignoranz…

Diese beiden lagen einfach nur herum und haben sich auch nicht wirklich über Menschen gefreut, man hat das Gefühl, dass sie ihr da sein fristen.

 

 

Der Rottweiler Mix und die Staff Mix Hündin sind einfach nur klasse, superfreundlich, anhänglich, verschmust – aber ihnen fehlt es an dem wichtigsten – einer Familie

* der Rotti Mix wurde kurze Zeit später nicht mehr gesehen, vermutlich verstorben, auf welche Weise auch immer

 

 

Diese Retriever Mix Hündin lag mir persönlich am Herzen, sie war so wunderschön, lieb, anhänglich und so verschmust. Wie man erkennt hat sie einen Abzess am Hals. Ich wollte sie gerne mit nach Deutschland nehmen, aber soweit kam es nie, sie ist nie wieder aufgetaucht

 

 

 

Tote Tiere interessieren in der Regel generell niemanden, man braucht sie auch nicht zur Seite räumen, irgendwann vermischen sie sich schon mit dem Asphalt

Nahrungsbeschaffung – für Katzen doch noch um einiges leichter als für Hunde, da es auf Kreta sehr vermüllt ist und ausreichend Ratten da sind

 

Die nachfolgenden 6 Hunde sind allesamt herrenlose Straßenhunde, die in kleinen Dörfern wohnen, wo die Gefahr, bis auf evtl. ausgelegtes Gift, überfahren zu werden nicht allzu groß ist

* Die Bilder stammen aus meinem Aufenthalt im Februar und April, bis auf den rotbraunen auf Bild 3 sind alle verschwunden

 

 

 

 

 

 

Diese beiden Mischlinge turnen direkt am Hafen von Piräus umher

 

 

Direkt am Meer, in der Nähe des Hafens von Heraklion, tummelt sich dieser wuschelige Mischling auf der Mittelabsperrung der stark befahrenen Straße

Diese Mischlingshündin stand hilflos auf einer stark befahrenen Kreuzung in Richtung des Tierheimes. Wir nehmen an, dass sie kurz zuvor ausgesetzt wurde

Diese beiden Mischlinge leben in Amoudara, einem Touristenort, gerade hier ist es extrem schlimm mit den Straßenhunden

Dieser schwarze Mischlingswelpe ist die Schwester von der vermittelten Hündin Babs. Leider war sie scheu und lebte direkt an der Straße, wir haben sie nicht eingefangen bekommen und so wurde ihr die Straße zum Verhängnis

Diese 2 hübschen haben wir auf dem Weg zum Tierheim entdeckt – leider danach nie wieder gesehen

Er lebt inmitten von Heraklion an einer stark befahrenen Straße

Er lebt nicht mehr, zuvor hat er mit seinem Kumpel ebenfalls an einer stark befahrenen Straße gelebt. Die beiden waren von sich aus schon mehr als mutig, denn sie haben Autos gejagt. Einer kam von links, der andere von rechts auf das Auto zugerannt und hat versucht in die Reifen zu beißen – wir nehmen an, dass es irgendwann jemanden zuviel wurde und er die beiden „Probleme“ beseitigt hat…

Ebenfalls ein Straßenhund in Amoudara

Diese beiden leben zusammen in einem Gehege –ca. 2x4 Meter- aus Baustahlmatten und gehören einem Schäfer aus Verenas Dorf. Der Schäfer ist ein herzensguter Mann und wirklich nett zu seinen Tieren, aber von Hundehaltung hat er überhaupt keine Ahnung, außer eine Palette und einer Tonne haben sie keine Möglichkeit zu liegen. Hundefutter gibt es nicht, dafür reichlich Brot.

Und nun kommen wir noch mal darauf zurück, warum ich darauf bestehe, dass sämtliche Tiere kastriert werden.

Kurz zur Vorgeschichte. Während meines Aufenthalts Ende September auf Kreta wurden wir von einem Griechen um Hilfe gebeten. Speziell ging es um 3 Welpen die bei einer Art Wochenenddomizil leben. Also fuhren wir (Verena & ich) dahin um zu schauen, ob wir evtl. trotz Saisonende dort helfen können.

Wir kamen da an und das erste Bild, welches wir sahen, war mit eines der Schlimmsten in unserer Tierschutzgeschichte, aber dazu später mehr. (Die beiden Bilder sind ganz am Ende, ich warne jetzt bereits vor diesem schrecklichen Anblick)

Auf die 3 Welpen eingestellt, stiegen wir also aus dem Auto aus, kaum mit beiden Beinen draußen, hatten wir ca. 20 Hunde um uns. 20!!! Herrenlose Hunde auf einem Fleck hat schon Seltenheitswert, ist aber alles anderes, als etwas worauf man stolz sein kann… Davon noch 3 läufige Hündinnen und diverse liebesdolle Rüden, d. h. im nächsten Jahr – sofern keiner vergiftet wird, denn überfahren ist an diesem Ort eher unwahrscheinlich – werde es noch einige mehr sein

* Die Leute die dort ihre Art Wochenendedomizil haben, sind sehr nett zu den Tieren und füttern diese auch, allerdings sind sie eben nur am Wochenende vor Ort

Hier die speziellen Welpen um die es ging – ca. 5-6 Monate alt

ganz rechts ist die Mutter zu den Welpen – im Übrigen gerade läufig gewesen, jetzt vermutlich kurz vor der Geburt

Der Rüde im Hintergrund ist vermutlich vom Auto angefahren und hat eine offene Verletzung am Bein, leider war er so scheu, dass man ihm nicht helfen konnte

3 liebesdolle Rüden und die läufige Mama der Welpen – im Hintergrund weitere Hunde

Als wir von diesem Ort weggefahren sind, haben wir direkt nebenan noch eine Mutter mit 2 Welpen gefunden, der Gesamtzustand mindestens genauso schlimm wie im Wochenenddomizil. Die Mutter und der schwarze Welpe sehen relativ vernünftig aus, bei dem braunen Welpen fehlen mir die Worte, ich gehe auch stark davon aus, dass er es nicht geschafft hat

Ich weiß nicht, wie es Ihnen nach diesen Bildern geht. Aber glauben Sie mir eines, das ganze „live“ zu erleben und zu wissen, dass einem, sowohl personal- & platzmäßig als auch finanziell, die Hände gebunden sind, man nach Möglichkeit seine Emotionen ausschalten muss und die meisten Hunde ihrem Schicksal überlassen muss, macht einfach nur traurig und hilflos

 

Nach dem ganzen geschilderten habe ich eine große Bitte an Sie, die mir sehr auf dem Herzen liegt. Nehmen Sie sich ein wenig Zeit und denken Sie einmal darüber nach, ob Sie unsere Arbeit unterstützen können. Es kommt nicht auf die Masse an, auch eine Kleinigkeit zählt, sowohl durch aktive Mithilfe z. B. Werbung, Kontrollen, Sammlung von Sachspenden etc., als auch finanziell wie z. B. eine Mitgliedschaft, Patenschaft, Spende

 

Tierschutz in Heraklion e. V.

Spendenkonto:

Tierschutz in Heraklion e. V., KTO: 2420867, BLZ: 51550035, Sparkasse Wetzlar

 

* sämtliche Bilder unterliegen dem Urheberrecht von Jennifer Crass

 

ACHTUNG!!! Bitte nur weiterscrollen, wenn sie hart im nehmen sind, denn jetzt werden Sie eine Hundeleiche sehen. Wie schon vorher geschrieben, so was haben wir noch nicht gesehen. Es fehlen 2 Beine, die Kehle ist durchgeschnitten und der Körper scheint verätzt worden zu sein. Entschuldigen Sie, aber ich wünsche diesem Mensch, der dies getan hat, selbiges

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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