Ich habe doch etwas gebraucht, um die letzten Tage von Shila nieder schreiben zu können. Aber es haben sehr viele wirklich Anteilnahme für Shila gezeigt und ich habe oft alles erzählen dürfen. Dürfen, weil es bestimmt nicht Jedermanns Sache ist alles zu hören, vor allem weil wir einen großen Bekanntenkreis haben, in denen ich eher die Ausnahme bin mit meinen/m Hund(en). Da Shila, wenn man von „schönen Tod“ reden kann, wirklich friedliche eingeschlafen ist, hat mir das Reden auch geholfen (auch wenn ich jetzt bei den ersten Zeilen schon wieder anfange zu heulen).

Shila hatte immer mal wieder „schlechte Tage“. Mehrere Tierärzten haben mir immer wieder gesagt, dass bei der Blutentnahme nur Momentaufnahmen genommen werden können. Ich denke, dass an den Tagen, wo die Werte ganz tief im Keller waren (was ja eigentlich schwierig ist, weil sie ja eh schon dauerhaft im Keller waren), sich das bemerkbar gemacht hat. Um Shilas Lebenswillen zu zeigen möchte ich eine kurze Beschreibung des bis zu ihrem Tod schlechtesten Tages beschreiben (diese Beschreibung hatte ich Shilas Pflegemama im Juni per Email geschickt):

  Am Montag vor unserer Abreise nach Griechenland im Mai, habe ich gedacht, nun ist es soweit. Lotta (für alle die es nicht wissen: seit November hatte Shila eine Halbschwester) war mit Christian unterwegs und ich dachte super, endlich mal wieder eine entspannte Joggingtour mit Shila (Lottas Jagdtrieb bekommen wir zwar langsam in den Griff, beim Joggen habe ich sie aber immer noch immer an der Schleppleine).  Das Shila unterwegs aus Pfützen trinkt ist normal (ich weiß, ist nicht so ungefährlich, aber ich lasse sie). Auch dass sie danach ab und an mal einen Schluck wieder auskötzelt ist normal und ich habe mich dran gewöhnt und flippe nicht mehr direkt aus. Allerdings trank sie bei dieser Tour aus jeder Pfütze. Nach 20 Minuten fing sie an nicht nur ein Schlückchen, sondern alles an Wasser wieder auszukotzen. Ich bin dann umgedreht und nicht mehr gejoggt. Trotzdem machte sie weiter. Zu Hause habe ich mich mit ihr in den Garten gesetzt, sie gestreichelt und geheult und wollte dann zum Tierarzt. Nach einer Stunde stupste sie mich aber an und wollte Ball spielen. Getrunken hat sie dann auch wieder normal. Oh Mann, ich heule schon wieder. Auf jeden Fall war das schon mal ein Vorgeschmack was uns irgendwann erwarten wird. Aber seit dem ist wieder alles „normal“. Ich habe ja schon mit mehreren Tierärzten gesprochen und alle sagen, dass bei der Blutentnahme nur Momentaufnahmen genommen werden können. Ich denke, dass an dem Tag die Werte einfach ganz im Keller waren (was ja eigentlich schwierig ist, weil sie ja eh schon im Keller sind ;) ).

Aber diese schlechten Tage waren im Vergleich zu Ihrer unbändigen Lebensfreude an den anderen Tagen immer schnell vergessen. Sie hat nie verstanden, was Lotta am Jagen findet. Immer wenn ich mal wieder nicht richtig aufgepasst habe oder mich aufgeregt habe, dass Lotta mich mal wieder samt Schleppleine ins Feld gezerrt hat, saß Shila neben mir. Sie schaute mich an, ganz nach dem Motto:“Reg Dich nicht auf, ich bin ganz lieb, unternimm einfach was mit mir!“ Und das haben wir ganz oft gemacht. Gehorsamsübungen mit Brot als Belohnung oder Ballspielen, waren ebenso beliebt wie einfach nur Ball werfen und wieder bringen. Dummyarbeit kam auf der Beliebtheitsskala direkt nach Ballspielen. Entweder klassisches wiederbringen mit Steadinessübungen oder verstecken im Wald. Im Wald suchen hat ihr am meisten Spaß gemacht. Ich konnte 200-300 Meter in den Wald gehen, sogar mit Abzweigungen. Auch war egal, ob der Dummy offen lag, unter Laub versteckt war, ein Eingang zu einer Biwakhütte gesucht werden musste oder der Dummy im Baum versteckt war. Shila hat ihn gefunden und mit Freude zurück gebracht. Ebenso meinen Schlüssel, den ich im Winter immer wieder im Haus versteckt habe, wenn es draußen schon zu dunkel war. Auf dem Hundeplatz hat sie auch alles mit Freude mit gemacht. Beim Turnierhundsport hat ihr die 80 m Hindernissbahn am besten gefallen. Slalom dagegen, durfte ich getrost weglassen. Beim Agility war sie auch ein Naturtalent. Direkt in der ersten Stunde stellte sie sich mal wieder als Streber raus. Inlineskaten haben wir als erstes aufgegeben, da es ihr immer schwerer viel mit zuhalten. Mountainbiken, hat sie noch länger mitmachen können. Gejoggt sind wir noch bis einige Tage vor ihrem Tod.

Dort fiel es dann auch als erstes auf, dass etwas nicht stimmt. Normalerweise kommen wir am Parkplatz an und wenn ich alles sortiert habe, gebe ich das Kommando „lauft“. Ich lief los und wurde direkt von zwei stürmischen Wildfängen überholt, die sich schon auf den ersten Metern auspowern wollten. Am Mittwoch lief ich los und wunderte mich nach den ersten Metern, dass der Sturm ausblieb. Ich drehte mich um und sah Shila hinterher trotten. Es war allerdings selbst für uns sehr früh (6.30 Uhr), so dass ich erst dachte, dass sie meine Morgenmuffeleigenschaften teilt und habe versucht sie zu animieren. Als das nicht fruchtete sind wir einfach nur spazieren gegangen. Nachmittags sind wir nochmal in den Wald und haben Dummyarbeit gemacht. Damit hat Shila auch an ihren schlechten Tagen immer ihr Futter gefressen. Allerdings hat sie an diesem Mittwoch nur mit langen Zähnen gefressen und es abends auch ausgekotzt. Donnerstag musste ich arbeiten und habe Shila bei Christian gelassen. Sie war wohl recht ruhig. Donnerstag Abend ging es dann Richtung Schweiz. Am Freitag ging sie nur sehr langsam aus dem Auto raus. Schaffte aber am Nachmittag noch einen langen Spaziergang. Am Samstag morgen ging sie auf ihrem letzten Spaziergang nur sehr langsam. Zum Ende hin setzte sie sich hin. (Da die Hündin mit der ich aufgewachsen bin Nierenkrebs hatte und sich bei unseren letzten Spaziergängen auch immer wieder hinsetzte, wußte ich, jetzt ist es wirklich soweit.) Zurück am Camp trank sie sehr viel und kotzte es direkt wieder aus. Ich habe ihr dann einen Schattenplatz fertig gemacht, habe ihr was homöopathisches gegen Übelkeit gegeben und ihr langsam was zu trinken gegeben. Also immer nur ein paar Schlückchen in den Napf und dann Pause gemacht. Anschließend habe ich einen Tierarzt gesucht. Zum Glück lief mir direkt die Mutter einer Tierärztin über den Weg. Die TÄ hat noch ihren Sohn unterbringen müssen, dann sind wir sofort in ihre Praxis gefahren. Die direkt vorgenommene Blutuntersuchung brachte dann Gewissheit. Dachte ich bis dahin, die Werte waren früher im Keller, so wurde ich eines besseren belehrt. Urea und Creatinin waren gigantisch hoch. Die TÄ meinte, dass Shila ganz schön Tapfer ist. Denn bis dahin hat sie kein einziges Mal gejault. Auch hat sie versucht alles alleine zu schaffen (den Weg vom Parkplatz bis in die Praxis habe ich sie aber getragen, auch wenn sie es erst versucht hat selbst zu gehen). Die TÄ meinte, man könnte Shila nochmal an den Tropf hängen und hoffen, dass die Werte sich stabilisieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie die nächsten 2 Wochen überlebt seien aber sehr gering. Wir sollten in Erwägung ziehen, sie gehen zu lassen (dabei hat sie selber mitgeheult). Wir haben ihr direkt gesagt, dass wir es ja wussten und immer gesagt haben, Shila nicht unnötig lange am Leben zu halten. Trotzdem wollte sie uns Bedenkzeit geben und ging raus. Als sich Christian und ich über die Infusionen unterhalten haben, hat Shila das einzige Mal gejault. Ich rief direkt nach Christine, der TÄ. Sie gab Shila ein Berühgungsmittel und Shila entspannte sich das erste Mal an dem Tag. Dann kam die Injektion. Ich bilde mir ein, dass Shila eingeschlafen war, bevor die Injektion komplett verabreicht war. Sie ist wirklich ganz saft eingeschlafen.

Wir konnten Shila nicht in die Kadaversammelstelle geben. Wir haben eine Einzeleinäscherung veranlasst und uns die Asche zuschicken lassen. So ist Shila nun wieder bei uns.

Ich werde im Winter noch mal ein paar Fotos von Shila raus suchen und sie hier ins Forum stellen. Wer bei Facebook ist, kann schon ein paar Fotos auf meiner Seite sehen und darf auch gerne noch ein Paar Abschiedsworte an Shila richten.

Wir drücken Trixie, Stan und Ila ganz fest die Daumen, dass sie genauso wie Shila allen Prognosen trotzen und noch ein paar wundervolle Jahre/Monate genießen können.

 

Traurige Grüße

Nadja, Christian und Lotta

 

 

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